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Gladbeck

Gladbeck-2Die Stadt Gladbeck liegt im nördlichen Ruhrgebiet im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und ist eine Große kreisangehörige Stadt des Kreises Recklinghausen im Regierungsbezirk Münster. Ursprünglich war Gladbeck eine kleine ländliche Gemeinde, bis Ende des 19. Jahrhunderts der Abbau von Kohle begann. Sie entwickelte sich zu einer typischen Bergarbeiterstadt des Ruhrgebietes und erhielt 1919 auch Stadtrechte. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie stark zerstört.

Seit den 1960er-Jahren geriet der Kohleabbau in eine Krise, 1971 wurde die letzte Zeche in Gladbeck geschlossen. 1975 gehörte die zuvor kreisfreie Stadt Gladbeck kurz zu Bottrop, diese Eingemeindung wurde jedoch bald rückgängig gemacht, und Gladbeck kam 1976 zum Kreis Recklinghausen.

Gladbeck liegt im Ruhrgebiet und gehört zur sogenannten Emscherzone, die vergleichsweise spät vom Bergbau erfasst wurde. Die Stadt ist Bestandteil des Regionalverbandes Ruhr. Im Norden wird der zum Stadtgebiet gehörende Weiler Breiker Höfe von den Nachbarstädten Bottrop, Dorsten und Gelsenkirchen umgeben. Im Süden grenzt die Stadt an Essen.

Stadtgliederung

Gladbeck hat die folgenden Stadtteile:

  • Brauck
  • Rosenhügel
  • Butendorf
  • Ellinghorst
  • Mitte
  • Alt-Rentfort
  • Rentfort-Nord
  • Zweckel
  • Schultendorf

Vorindustrielle Gesellschaft

Frühgeschichtliche Funde wie das Gräberfeld von Gladbeck zeigen eine Besiedlung um 2000 v. Chr.

Zuerst erwähnt wird Gladbeck in einem Heberegister des Klosters Werden vom Anfang des 10. Jahrhunderts als Gladbeki. Am 3. Mai 1020 (richtig 1019) soll Erzbischof Heribert von Köln den Hof in Gladbeck, nachmals Allinghof, dem Kloster Deutz geschenkt haben. Hierbei handelt es sich um eine Fälschung. Belege und Nachweise bei Paul Derks: Die Siedlungsnamen der Stadt Gladbeck, 2009. Es könnte „Siedlung am glänzenden, glitzernden Bach (glad = hell, glänzend, klar; beck = bach) bedeutet haben. Da ist bei der Auflistung von Besitztümern, später ergänzt durch Notizen im Werdener Liber privilegiorum maior aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, von Gladbeki bzw. Gladebeke die Rede. Spekulationen über völlig andere Namensdeutungen (Waldbach, Gerichtshügel) sind weniger plausibel.

Das Dorf mit den fünf Bauernschaften (siehe unten) gruppierte sich um die St.-Lamberti-Kirche. Es gehörte von 1180 bis 1802 zum Vest Recklinghausen und war so die längste Zeit verbunden mit Kurköln. Nach der Zeit von Napoleon geriet die Gegend 1815 an Preußen.

Zeit des Kohleabbaus 1873–1971

Die erste Zeche wurde ab 1873 abgeteuft, ab 1878 Kohle gefördert. Im Ersten Weltkrieg gab es in Gladbeck ein Kriegsgefangenenlager, das 2005 durch den Gladbecker Lagergeldfund bekannt wurde. Die kleine Dorfgemeinde wuchs zu einer mittelgroßen Industrieansiedlung, die im Juli 1919 die Stadtrechte erhielt (als „jüngste Stadt Neu-Deutschlands“, wie das Lokalblatt schrieb). Sie hatte zwischenzeitlich fünf Schachtanlagen. Die Jahre 1925–1929 hatten etwas von einer kleinen Blütephase an sich, in der trotz aller Schwierigkeiten wichtige Bauvorhaben realisiert werden konnten, zum Beispiel:

  • das Freibad
  • der Jovyplatz mit Verwaltungsbauten
  • die Neuanlage von Schloss Wittringen
  • das Stadion, die „Vestische Kampfbahn“

1928 verdrängte der Sexualmord an dem 19-jährigen Gladbecker Abiturienten Helmut Daube den Transatlantikflug des Luftschiffes Graf Zeppelin aus den Schlagzeilen.

Wie alle deutschen Städte wurde Gladbeck nach der Machtübernahme Hitlers 1933 „gleichgeschaltet“, und zwar unter dem bereits vorher gewählten konservativen Bürgermeister Hackenberg, der sogleich in die NSDAP eintrat. Wie viele deutsche Städte wurde Gladbeck im Krieg stark zerstört, im Innenstadtbereich zu 43 Prozent. Damit zählte es zu den am stärksten zerstörten Städten im Ruhrgebiet. Der schwerste Luftangriff auf Gladbeck, bei dem über 3 000 Menschen ums Leben kamen und rund 40 000 obdachlos wurden, fand am 24. März 1945 statt.

Bis 1960 stieg die Einwohnerzahl auf bis zu 84.000 und liegt nun bei ungefähr 77.000. Die letzte Gladbecker Zeche, Graf Moltke, wurde 1971 geschlossen, seit dieser Zeit bemüht sich Gladbeck um den Strukturwandel und kämpft gegen die Arbeitslosigkeit.

Kommunale Neuordnung und jüngere Geschichte seit 1975

Bei der Kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, kam die kreisfreie Stadt Gladbeck zusammen mit der Gemeinde Kirchhellen (Kreis Recklinghausen) zur Nachbarstadt Bottrop.Gegner der Neuordnung bemängelten die geringe Siedlungsgeschlossenheit an der Grenze zwischen Gladbeck und Bottrop und führten an, dass Bottrop nur wenig größer sei als Gladbeck. Ihr Slogan: „GlaBotKi is nich“.

Das Oberverwaltungsgericht Münster, das vom ehemaligen Gladbecker Oberstadtdirektor Rump angerufen wurde, befand im „Nikolaus-Urteil“ vom 6. Dezember 1975, dass Bürgernähe und höhere Verwaltungseffizienz – die Begründung für die Neuordnung – nicht gegeben seien. Die Vereinigung wurde rückgängig gemacht und die Gemeinderatswahl von 1975 zum („Groß-“)Bottroper Gemeinderat für ungültig erklärt.

Seit dem 1. Juli 1976 gehört Gladbeck dem Kreis Recklinghausen an; dabei ist die Grenze mit Dorsten und daher mit dem übrigen Kreisgebiet weniger als 500 Meter lang und nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad passierbar. Wer mit dem PKW oder öffentlichen Verkehrsmitteln von Gladbeck in den Rest des Kreises fahren will, muss ihn vorher verlassen und Bottroper oder Gelsenkirchener Stadtgebiet betreten, was Gladbeck zu einer „funktionalen Exklave“ des Kreises macht.

Im August 1988 geriet Gladbeck bundesweit in die Schlagzeilen, als eine Bankfiliale im Stadtteil Rentfort überfallen wurde und es zu einer Geiselnahme kam. Bei diesem als Gladbecker Geiseldrama bekannt gewordenen Verbrechen starben drei Menschen.